Symbiose statt Konkurrenz: Erfolgsmodell Künstlerpaar

Symbiose statt Konkurrenz: Erfolgsmodell Künstlerpaar

Muss das wahre Genie nicht einsam sein? Nur in der Isolation kann es große Kunst schaffen. So will es der Mythos. Künstlerpaare widerlegen diese Sichtweise auf stille, aber nachhaltige Weise. Sie funktionieren nicht über laute Selbstdarstellung nach außen, sondern mit jener inneren Kraft, die ein symbiotisches Verhältnis schafft. Sie verlagern das Gewicht der Autorschaft, sonst Prüfstein unverwechselbarer Individualität, nicht auf zwei, sondern konsequent auf vier Schultern. Kreativität kommt bei ihnen aus zwei Köpfen. Genauer gesagt: Kreativität ist bei ihnen keine Sache eines solitären Kraftquells, Kreativität speist sich aus Kommunikation und Interaktion. (Stefan Lüddemann, www.number32.de)

Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger (www.steinerlenzlinger.ch) sind ein Künstlerpaar. Sie arbeiten seit 1997 an gemeinsamen Projekten. Gerda Steiner ist als Autorin raumgreifender Wandmalereien bekannt, deren geschwungene Linien und kräftige Farben an die psychedelischen Muster der 60er Jahre erinnern. Jörg Lenzlinger hat sich auf den experimentellen Umgang mit industriell hergestelltem Harnstoff spezialisiert, der unter seiner Präparation zu bunten Tropfsteingebilden und kristallinen Landschaften abscheidet. Gemeinsam entwickeln sie grossräumige, vielteilige Installationen, kleine Wunderländer, die ihre Geschichten mit verspieltem Charme und ironischem Augenzwinkern erzählen.

Bild: «Fallender Garten» in San Staë, 2003.

Die Installation Fallender Garten des Künstlerpaars Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger spürt der spezifischen Stimmung in der Kirche San Staë (Venedig) nach. Über einem Bett im Zentrum des Kirchenschiffs wuchert ein zartes Geflecht aus Pflanzenteilen in lichter Leichtigkeit. Samen, Blüten und Zweige, sowohl künstliche als auch natürliche, finden sich im Fallenden Garten mit farbigen Kristallseen zu einer eigenen Natur zusammen. Der Pflanzenregen zieht von der Decke herab durch den Raum, als fallender Garten – wie ein angehaltener Atemzug -, der an gewissen Stellen in die farbigen Kristallseen übergeht. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, durch den Raum zu lustwandeln und von einem zentral installierten Bett aus den Fruchtbarkeitsregen zu empfangen. (Bundesamt für Kultur, Bern)

 

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